MG4 Electric Blog

Elektroauto MG4

Rückfahrkamera

18.07.2023

Nachgerüstete Rückfahrkamera im MG4 Electric Comfort

Die Standard- und die Comfort-Ausführung des MG4 Electric kommen leider ohne Rückfahrkamera daher.

Ich kann super einparken und quetsche mich auch ohne Kameras in Parklücken mit vorn und hinten nur 20cm Luft. Na gut, sagen wir 40cm. ;-) Aber wenn es so knapp ist, bleibt immer ein prickelnder Moment Restunsicherheit. Da ist ein Kamerabild einfach entspannend und hilft, das Leasingfahrzeug in einwandfreiem Zustand zu halten. Lackschäden ausbessern zu müssen kommt auf jeden Fall teurer als die Investition in eine Rückfahrkamera. Absolut sinnvoll.

Ich rüste also nach. Weil ich keine Lust und keinen Nerv habe, irgendwelche Kabel zu verlegen, suche ich ein Funkmodell, bei dem das Videosignal drahtlos übertragen wird. Zudem soll sich das Kameramodul selbst solar aufladen, damit es auch keine Stromversorgung braucht. Mit diesen Anforderungen recherchiere ich und werde schnell fündig.

Solar-Funk-Front- und Rückfahrkamera

Wennschon, will ich nicht nur nach hinten gucken können, sondern auch nach vorn. Also brauche ich ein System, das zwei Kameras mit einem Monitor verbinden kann.

Ich finde und entscheide mich für „Lescars Auto Kamera: Solar-Funk-Front- und Rückfahrkamera mit Full HD und 5" Monitor (Kabellose Rückfahrkamera)“*:

Lescars Auto Kamera: Solar-Funk-Front- und Rückfahrkamera mit Full HD und 5 Zoll Monitor (Kabellose Rückfahrkamera)

Kosten: aktuell 279,99 €

Aufladen

Vor der Montage sollen die Kameramodule per USB aufgeladen werden. Die Solarpanels sind so klein, dass sie die Nutzungsdauer zwischen zwei Aufladungen höchstwahrscheinlich allenfalls etwas strecken können. Vor allem im Winter wird ein alleiniger solarer Betrieb wohl nicht dauerhaft möglich sein. Kann ich mir jedenfalls nicht vorstellen. Ich werde berichten.

Fragt sich gerade jemand, ob man zum Aufladen per USB dann jedesmal die Kameras abbauen muss? Muss man nicht. Zum Nachladen kann man eine Powerbank verwenden. Ich nutze z. B. die „Anker 337 Powerbank“* mit 26800mAh.

Der USB-Ladeanschluss befindet sich unter einer Gummikappe, die im Fahr-Alltag bei nassem Wetter hoffentlich wirklich dicht hält.

USB-Ladeanschluss des Kameramoduls

Irritierend finde ich, dass es an den Kameramodulen keinerlei Ladezustandsanzeige gibt. Keine LED, nix. (Das kleine Loch oberhalb der USB-Buchse ist der Reset-Knopf, dazu später.) Woher weiß ich, wann die Dinger voll sind? Später kann man den Ladezustand im Display sehen, aber während des Ladens fliegt man blind.

Ich lasse die Module sicherheitshalber einige Stunden an meinem Multiladegerät angeschlossen. Sie sind dann tatsächlich voll, aber tun das auf keine Weise kund. Hmmm…

Funktionstest

Vor der Montage teste ich zunächst die Funktionstüchtigkeit aller Komponenten, also der Kameramodule und des Monitor-Empfängers. Dazu schließe ich zuerst den Monitor an den „Zigarettenanzünder“ (dass das immer noch so heißt), also an die 12V-Steckdose an. Das Display wird hell, zeigt aber kein Kamerabild. Logisch, ich muss die Kameras ja erst noch einschalten.

Das geht mit einem winzigen Schalterchen auf der Rückseite der Kameramodule, das dazu noch unter einer Gummischutzkappe versteckt ist. Zur Abdichtung, schon klar, aber es erschwert das haptische Feedback: Ist er jetzt on oder off?

Ich schalte die erste Kamera ein: kein Bild auf dem Display. Im Menü des Monitors wird Kamera 1 im Kanal CH1 als angeblich schon gekoppelt ausgewiesen. Hm. Ah, Moment. Ich schalte die zweite Kamera ein. Sie entpuppt sich als Kamera 1, ist bereits gekoppelt und schickt ihr Bildsignal brav zum Monitor. :-)

Als nächstes wähle ich im Monitor-Menü den zweiten Empfangskanal CH2 und versuche, Kamera 2 zu koppeln. Es rödelt ewig, aber tut sich nix. Hm. Da hilft ein Blick in die Bedienungsanleitung: Um eine zweite Kamera zu koppeln, muss diese erst resettet werden. Aha! Dazu wird der Reset-Knopf oberhalb der USB-Ladebuchse 10s lang gedrückt. Das geht mit einer Büroklammer oder mit dem dazu beigelegten büroklammerähnlichen Werkzeug. Nachdem ich Kamera 2 resettet habe, kann sie problemlos gekoppelt werden.

Funktionstest erfolgreich abgeschlossen. Nun können die Kameras montiert werden.

Montage

Es soll total einfach sein: Die Kameramodule werden mit einem bereits an ihnen befestigten Adapterblech hinter die Nummernschildhalter geschoben und dann zusammen mit den Haltern festgeschraubt.

In der Montageanleitung steht zwar, dass man die Kamerahalterung mittels Klebepads auf der Rückseite der Nummernschildhalterung befestigen soll, aber da sind keine Klebepads, und es liegen auch keine bei. Also bleibt nur das reine Festschrauben.

Ich sehe auf Anhieb zwei Probleme:

1. Das Adapterblech ist asymmetrisch ausgeführt und erlaubt die Befestigung praktisch nur auf einer Seite des Nummernschildhalters.

Kameramodul mit Halterung

Hält das fest genug?

2. Am Heck hat die ziemlich stabile Kamerahalterung beim MG4 Electric direkten Kontakt zum Lack unter dem Nummernschildhalter. Vorn ist da Plastik, kein Problem, aber hinten… Wenn die Kamera dort nicht 100%ig fest sitzt, wird ihre recht scharfkantige Halterung allmählich an den Kontaktstellen den Lack abtragen. Und da die Kamerahalterung hinten mit nur einer einzigen Schraube fixiert werden kann (weil es insgesamt nur 2 speziell verstärkte Löcher für die Befestigungsschrauben des Nummernschildhalters gibt), scheinen mir Lackschäden vorprogrammiert zu sein.

Ich löse diese Probleme wie folgt:

Kameramontage hinten

Beim MG4 Electric passt die Kamera hinten nur unterhalb des Nummernschilds hin, weil sie sonst den Heckklappenöffner blockiert.

An der kritischsten Kontaktstelle statte ich die hintere Kamerhalterung mit einem Stück Filzgleiter aus. Dieses Material hat mir schon beim Einbau des Kohlefilters gute Dienste geleistet.

Kameramodul mit Filzgleiter

Die linke Schraube der Nummernschildbefestigung schraube ich dann bis kurz vor „ab“ rein und hoffe, es hält fest genug. Fühlt sich jedenfalls so an. Ich werde es immer mal wieder kontrollieren.

Kameramodul am Heck befestigt

Nach der Montage des Kameramoduls kontrolliere ich im Monitor den Blickwinkel. Die Kamera „guckt“ viel zu weit nach oben. Ich möchte die untere Fahrzeugkante im Blick haben, um ggf. wirklich den letzten Zentimeter ausnutzen zu können.

Um die Kamera zu justieren, müssen zwei Schrauben auf der Oberseite gelöst werden. Dann lässt sich der Kamerablock mit den 4 LEDs in der Vertikalen verstellen. Erstaunlich, wie weit ich ihn nach unten kippen muss, um den gewünschten Blickwinkel zu bekommen. Mit den Schrauben wieder fixieren, fertig.

Kameramodul am Heck mit Nummernschild

Kameramontage vorn

Vorn ist die Situation im Wesentlichen die gleiche wie hinten, nur dass die Nummernschildhalterung auf Plastik geschraubt ist. Da hier also keine Gefahr besteht, Lack zu zerkratzen, kann ich die Kamerahalterung ohne Filz hinter dem Nummernschildhalter anbringen.

Zunächst beschränke ich mich wie hinten auch auf die Befestigung mit nur einer Schraube. Dann fahre ich 600km nach Berlin und zurück und höre auf der Rückfahrt vorn ein „Klack“. Das Kameramodul wurde vom Fahrtwind etwas nach unten gedrückt und hängt leicht schräg. Wieder zu Hause, fixiere ich die Kamerahalterung vorn mit zwei zusätzlichen Schrauben. Hier kann ich ja wegen des Plastikuntergrunds frei schalten und walten. Hätte ich gleich machen sollen.

Kameramodul vorn mit zusätzlichen Schrauben befestigt

Das sollte nun stabil halten.

Kameramodul vorn komplett

Montage des Monitors

Wohin mit dem Monitor? Klassisch mit Saugnapf an die Frontscheibe, oberhalb des MG4 Infoscreens, scheint mir der beste Kompromiss zu sein.

Lescars Monitor mit Saugnapf an Frontscheibe

Der Kabelweg ist da so kurz wie möglich. Das Kabel fädele ich durch die Handy-Ablage, so stört es fast gar nicht.

Viel mehr stört mich, dass die Saugnapfhalterung nur einen Kippwinkel des Monitors erlaubt, der die Neigung der Frontscheibe des MG4 Electric nicht ausgleicht. Der Monitor lässt sich so nicht senkrecht stellen, sondern bleibt etwas nach unten geneigt. Sieht erstens blöd aus und führt zweitens zu einem lästigen Effekt:

Ich trage beim Fahren eine polarisierte Sonnenbrille. Die hatte ich mir zugelegt, als wir noch eine ZOE fuhren. Da spiegelte sich das Armaturenbrett sehr stark in der Windschutzscheibe. Die Polbrille filterte diese Spiegelungen schön weg.

Jetzt fahre ich also mit dieser Sonnenbrille, will einparken, schalte den Rückfahrkamera-Monitor ein und das Display bleibt dunkel. Hä? Nach dem Einbau hat doch alles funktioniert! Ich schalte wild den Monitor ein und aus und fluche ein bisschen. Meine Liebste guckt mich verständnislos an und meint: „Aber da ist doch ein Bild!“ Hä? Ich sehe was, was du nicht siehst? Bzw. anders herum?

Dann komme ich drauf, dass meine polarisierte Brille das Kamerabild schlicht wegfiltert, weil der Betrachtungswinkel wegen der Neigung des Monitors so ungünstig ist. Ich muss also über den Rand meiner Sonnenbrille gucken, damit ich sehen kann, was das Rückfahrkamera-Display zeigt. Blöd. Vielleicht finde ich da noch eine andere Lösung mit einer anderen Saugnapfhalterung oder so.

Kurz noch etwas zur Stromversorgung des Monitors: Normalerweise kann man das Kabel in der 12V-Buchse stecken lassen – der MG4 Electric schaltet diese nach dem Abschließen stromlos. So besteht keine Gefahr, dass dort angeschlossene Verbraucher die 12V-Batterie leersaugen. Allerdings gab es nach ein paar problemlosen Fahrten bei mir ein Phänomen, s.u.

Konfiguration des Monitors

Je nach Einbauposition der Kameramodule muss das Kamerabild gekippt und/oder gespiegelt werden, damit es auf dem Display richtig angezeigt wird. Das geht im Menü des Monitors und ist ziemlich selbsterklärend. Auch das Timeout kann verändert werden, also die Zeit, bis sich der Monitor von allein wieder ausschaltet. Ein Blick in die Bedienungsanleitung schadet nicht, damit man auf Anhieb die richtigen Tasten zum Navigieren im Menü drückt.

Phänomen

Nachdem ich ein paar Tage völlig problemlos mit den neuen Kameras gefahren bin, will unser MG4 plötzlich nicht mehr starten. 12V-Batterie ist OK, die Displays sind an, Radio geht, aber wenn ich auf die Bremse trete, passiert nichts: Er „geht nicht ready“.

Ich probiere zunächst das Übliche: Aussteigen, abschließen, etwas warten, neuer Versuch. Das mache ich zwei Mal, ohne dass es mir gelingt, den MG4 in den Status „Ready“ zu bringen. Mist, wir wollen gleich nach Berlin…

Dann ziehe ich, einer Eingebung folgend, den Stecker des Rückfahrkamera-Monitors aus der 12V-Buchse, trete erneut auf die Bremse, und Zack! – Ready.

Scheint mir eher eine Macke vom MG4 zu sein als von der Rückfahrkamera. Aber seither stecke ich sie nur ein, wenn ich sie tatsächlich gerade brauche.

Vielleicht erschweren die Kamera-Funksignale das Erkennen des MG4-Schlüssels?

Fazit

Mein Sicherheitsgefühl beim Einparken in knappe Lücken ist durch die Kameras eindeutig gestärkt. Der Einbau war letztlich tatsächlich sehr einfach. Minuspunkte gibt es wegen der fehlenden Ladezustandsanzeige an den Kameramodulen und dem unzureichenden Kippwinkel des Monitors an der Saugnapfhalterung.

Nachtrag 1

14.08.2023: Manuel von „Familie elektrisiert“ hat, angeregt durch diesen Artikel, ein schönes Video zum Einbau dieses Rückfahrkamerasystems gemacht. Für den Monitor hat er mit seinem 3D-Drucker eine coole Halterung zum Aufstecken auf das Infotainment-Display hergestellt. Sieht viel besser aus, erlaubt einen besseren Betrachtungswinkel und nimmt weniger Sicht weg.

3D gedruckte Halterung für Rückfahrkamera

Nachtrag 2

23.11.2023: Ich nutze die Rückfahrkameras zwar nur selten, musste aber bisher noch keine über USB nachladen. Die winzigen Solarmodule auf den Kameras scheinen tatsächlich genug Strom zu liefern.

Stay tuned!

*) Dieser Link ist ein amazon-Werbelink.


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