29.04.2026

Kurz vorab: Unser MG4 ist nach dem Unfall im Februar noch nicht repariert. Die Ersatzteilbeschaffung zieht sich hin.
Der Wagen fährt immerhin und wird für kurze und mittlere Strecken auch benutzt. Wegen der scharfen Risskante am Kotflügel traue ich mich damit nicht in die Waschanlage und für Handwäsche bin ich mir zu fein. Entsprechend ist der ganze Winterdreck noch drauf. Was sollen bloß die Leute denken. 😜
Im März ist der TÜV abgelaufen und ich hoffe, dass die Reparatur nun bald stattfinden wird, ehe ein Kulanzzeitraum in etwaigen Diskussionen mit Ordnungshütern kein akzeptiertes Argument mehr darstellt.
Ebenfalls überschritten wurde die Frist für die 3. Inspektion; diese hätte auch spätestens im März vorgenommen werden müssen, um die Garantie nicht zu gefährden. Das lag aber nicht an mir oder am Unfallschaden – die von mir ausgesuchte MG-Werkstatt war einfach ein bisschen verpeilt und hat den ersten vereinbarten Termin im März irgendwo im System verloren. Dann ging es erst wieder am 20. April.
Aber der Reihe nach.
Eingedenk meiner kostspieligen Erfahrung mit der 2. Inspektion bei Weller in Celle bin ich diesmal schlauer: Ich gucke auf der MG-Website nach Partnerwerkstätten in meiner Umgebung (Raum Hannover), finde drei, die in zumutbarer Entfernung liegen (und ggf. MG-Neukunden annehmen), und rufe sie alle an, um die Kosten für die 3. Wartung in Erfahrung zu bringen.
Es gibt krasse Unterschiede!
Weller in Celle ruft 180 € auf, Autohaus Speckhahn in Winsen: 150 €.
Schrader in Garbsen (diesen Namen wollte ich hier eigentlich nie mehr nennen, aber zur Abschreckung und Warnung mache ich heute eine Ausnahme) stellt gar 350-450 € in Aussicht!
Auf meine erstaunte Nachfrage hin bekomme ich eine waschechte Pferdestory zu hören, von wegen die Arbeitspreise bei E-Autos seien jetzt höher wegen der ganzen Schulungen; bei jeder Designänderung eines E-Autos seien alle Schulungen neu zu absolvieren etc.
Ich: Aber 3. Wartung, da ist doch kaum was zu machen?
Er: Ja, es ist weniger zu machen als bei der 2. Wartung, aber… irgendwas Blaues vom Himmel… laber laber… lamentier…
Ich unterbreche: Ich fasse mal zusammen: Sie wollen für weniger Arbeit mehr Geld?
Er: Rumdrucks… laber laber…
Ich: Danke, Tschüss.
Sie bleiben ihrem Image treu.
So wird es das Autohaus Speckhahn in Winsen, Entfernung ca. 60km. Celle ist nur unwesentlich näher und für die 30 € Differenz kann ich unseren MG4 zu Hause in günstigen Strompreisphasen dreimal vollladen.
A propos dynamische Strompreise, kurzer Einschub:
Der Strombezug zu Börsenpreisen (z. B. über Tibber) ist halt mit einem gewissen Kostenrisiko behaftet und lohnt auch nur wirklich mit Großverbrauchern im Haushalt - wie z. B. einem Elektroauto (dessen Ladung man dann auch in die günstigen Stunden legen können muss). Für unseren Haushalt rechnet es sich, siehe meinen früheren Artikel.
Nun bekommen einige Leute irgendwas im Bereich zwischen Stirnrunzeln, Schnappatmung und Panikattacken, wenn sie ein Mal in 3 Jahren im Winter Strompreisspitzen wie diese hier sehen:

Strompreise am 11./12.12.2024
Das ist jedoch sowohl selten und kurz als auch in der Regel unproblematisch. Wenn man sich nicht vollkommen deppert anstellt, schafft man es, zu diesen Zeiten möglichst wenig Strom zu verbrauchen und hat dann entweder gar keine oder nur geringe Mehrkosten – doch doch, das geht fast immer.
Im Sommerhalbjahr können wir dafür schöne Preistäler sehen, und wenn die Bedingungen passen, rutscht der Börsenstrompreis sogar schonmal ins Negative. Dann ist der Strom für lau und nur die Zusatzkosten (Netzentgelte usw.) schlagen zu Buche – hier immerhin rund 20ct/kWh.
Und wenn es richtig krass kommt, fällt der Börsenstrompreis so weit unter Null, dass auch diese Kosten ausgeglichen werden, und ab dann verdient man Geld, wenn man in dieser Zeit Strom verbraucht. Man wird tatsächlich für das Abnehmen von Strom bezahlt. Offenbar ist dann gerade so viel Strom im Netz, dass die Erzeuger seinen Verbrauch maximal attraktiv machen müssen, sonst… passiert irgendwas Schlimmes?
Ich weiß es nicht genau und bin auch gerade zu faul, es zu recherchieren. Mir reicht es an dieser Stelle, zu wissen, dass das so ist und wann diese Zeiten sind.
Letzten Sonntag z. B. waren es mehrere Stunden unter Gesamt-Null (also mit Anrechnung der Strombezugsnebenkosten), und in der Talsohle lag der Preis für uns hier einen kurzen Moment sogar bei realen -40 ct/kWh.

Strompreise am 26.04.2026
Für mich durchaus eine kognitive Herausforderung: Mein ganzes Leben lang habe ich mich auf möglichst sparsamen Stromverbrauch konditioniert, das steckt inzwischen im Rückenmark – und dieses ist hochgradig irritiert, wenn der Kopf plötzlich sagt: Alles OK so, schmeiß an, was geht!
Konkret habe ich unseren MG4 geladen und Spülmaschine und Waschmaschine in dieser Zeit laufen lassen, sogar Kochwäsche, machen wir sonst nie. Mehr sinnvoller, nennenswerter Verbrauch ging nicht. Wir hätten noch einen Heizlüfter in den Garten stellen und laufend Wasser kochen und weggießen können, aber das war uns doch zu irre.
Was haben wir verdient? Vermutlich irgendwas um 10-15 €. Immerhin, aber letztlich auch nicht entscheidend. Man muss sich deswegen nicht verrückt machen.
Gesamtgesellschaftlich betrachtet sind negative Strompreise natürlich vollkommen gaga, aber das ist das gesamte Strompreisgeschehen; wir sehen hier nur die krassesten Auswüchse. Angebot und Verbrauch sollten sinnvollerweise geglättet werden (Stichwort Großspeicher), so dass es im Idealfall zu gar keinen solchen Spitzen kommt, weder negativen noch positiven.
Einschub Ende, zurück zur MG4-Wartung.
Der Azubi, der meinen Anruf entgegennimmt, ist sehr nett und zuvorkommend, schafft es aber offenbar nicht, den Termin, den wir vereinbaren, korrekt in deren System einzupflegen. Einen Tag vor dem Termin rufe ich nochmal an, um zu fragen, ob sie bei der Gelegenheit morgen auch gleich Sommerreifen aufziehen können.
Wie: Morgen? Ihr Termin ist doch erst in 4 Wochen!
Wie: In 4 Wochen? Wir hatten morgen vereinbart!
Herrjeh, muss man sich denn alles alles alles schriftlich geben lassen? Hätte jetzt auch nichts genützt, aber vielleicht wäre es jemandem aufgefallen… Egal, nicht mehr zu ändern. Bloß gut, dass ich da vorher nochmal angerufen habe, sonst wäre ich 60km gefahren und hätte unverrichteterdinge und hochgradig missgestimmt wieder abziehen müssen.
Ich thematisiere meine Befürchtung, dass es mit MG im Falle einer Garantiereparatur Probleme geben könnte, wenn die Wartung zu spät durchgeführt wird. Mein Gesprächspartner versucht, mich diesbezüglich zu beruhigen, aber so richtig überzeugend wirkt er nicht. Da es jedoch keine Möglichkeit gibt, den Termin kurzfristig vorzuziehen, bleibt mir nur, die Situation achselzuckend zu akzeptieren.
Vier Wochen später fahre ich früh durch eklig kalten Nieselregen nach Winsen/Aller, im Heck meine Sommerreifen, die bei der Gelegenheit gleich auf die Felgen sollen. Ich hab mir nämlich mal ausgerechnet, dass die Variante „jährlich zweimaliger Reifenwechsel auf die gleichen Felgen“ über die 4 Jahre Leasingdauer etwas günstiger kommt als „zweiten Satz Felgen kaufen und Räder zweimal jährlich nur umstecken“. Da ich die Ganzjahresreifen dadurch auch nur effektiv 2 Jahre lang (ab)nutze, hege ich zudem die Hoffnung, dass deren Reifenprofil bei Rückgabe des Wagens noch ausreicht. Sonst müsste ich dann nochmal neue Reifen kaufen. Ich hatte den MG4 explizit mit GJR bestellt und die originalen Sommerreifen bei Auslieferung mitbekommen, weil das schreckliche Autohaus in Garbsen die nicht verrechnen konnte oder wollte. Erst dachte ich, OK, verkaufe ich die Sommerreifen halt, wurde sie aber erstaunlicherweise nicht los. Daher nun diese Variante.
Der Empfang in Winsen ist freundlich. Wir gehen nochmal alles durch, was zu machen ist (und was nicht gemacht zu werden braucht). Während der Kollege in der Werkstatt am MG4 arbeitet, sitze ich mit meinem Notebook in der Wartezone und arbeite auch.
Gegen Mittag ist die Wartung erledigt – aber die Reifen wurden nicht gewechselt. Der Kundenberater sagt, der Meister hätte gemeint, da er meine Sommerreifen früher nicht selbst gewechselt hat, würde er deren Zustand nicht kennen, daher könne er keine Verantwortung dafür übernehmen. Hm. Klingt fast einleuchtend, aber irgendwie auch ein bisschen nach keine Lust.
Dann macht das halt die andere Werkstatt, die hoffentlich bald die Unfallreparatur ausführt.
Autohäuser sind ein eigenständiges Universum. Es gibt mit meinem Überlappungen, aber nur ganz am Rand.
Lichtblick in Winsen: Die Kosten für die 3. Inspektion betragen am Ende 159,58 € (brutto). Das finde ich OK.

Da ich überall arbeiten kann, wo es Strom und Internet gibt, habe ich praktisch nur die Fahrzeit „verloren“. Die 120km hin und zurück kosten mich vom Stromverbrauch her fast nix. Die irren Zahlen auf den Tankstellenpreisanzeigen gleiten unterwegs still an mir vorbei.
Weil hier noch Platz ist, ich heute Zeit habe und es auch irgendwie Verbindungen zum großen Thema Elektromobilität und Umweltschutz gibt, die später noch klar werden werden: Ich nutze mittlerweile häufig KI-Tools, für Texte, für Bilder, für Videos und Musik. Für Typen wie mich sind es mächtige Werkzeuge, die enorm viel lästige Fleißarbeit ersparen können; ich brauche nichts weiter als eine Idee – und die Fähigkeit, diese zu formulieren, um Ergebnisse zu bekommen. Hab ich beides. In dem Moment, wo mir die Ideen ausgehen, bin ich wahrscheinlich hirntot.
Zu eurer Beruhigung: Diesen Text hier schreibe ich höchstselbst, schwöre!
Dabei sehe ich KI durchaus kritisch. Vor einem Jahr habe ich dazu diesen Essay hier geschrieben, dessen Kernthesen immer noch zutreffen.
Systembedingte KI-Halluzinationen sind schon problematisch, aber noch problematischer scheint mir ein Problem, das ich an folgendem Beispiel schildern will:
Aus meinem Fundus an Ideen greife ich mir die einer Karikatur, und da ich nicht gut zeichnen kann (das wäre die Fleißarbeit), rufe ich ChatGPT auf und beschreibe, was dargestellt werden soll und wie.
Um die Spannung nicht zu groß werden zu lassen: Am Ende kommt dies dabei heraus, aber nur mit manueller Nachbearbeitung. Ich schildere gleich noch die erstaunlichen und durchaus besorgniserregenden Hürden, die mir ChatGPT in den Weg legt.

Denn ChatGPT weigert sich zunächst, dieses Bild zu erstellen. Es verstieße gegen die Richtlinien. Hä? Welche Richtlinien werden denn hier tangiert? Ich frage nach und bekomme Erstaunliches zu lesen: Die Themen Klimawandel und Impfung seien kontrovers, und da übe man sich bei OpenAI in Zurückhaltung.
Lass das mal einen Moment einwirken. Welche Implikationen sich da auftun.
Dazu gleich mehr, aber erstmal weiter im Verlauf.
Ich zu ChatGPT: Ja, dann erstelle das Bild halt mit leerer Sprechblase, ich füge den Text später selber ein.
Doch die KI bleibt selbst dann stur und will das Bild partout nicht erstellen. Erst als ich den Chat komplett lösche, die App neu starte, einen neuen Chat beginne und meine Karikaturidee von vornherein als mit leerer Sprechblase darzustellen schildere, erzeugt sie obiges Bild, mit leerer Sprechblase. Den Text füge ich dann mit meinem Grafikprogramm selber ein.
Nun zu den Implikationen (auch dieses Thema hatte ich im Essay bereits angerissen, aber es hat sich inzwischen offenbar deutlich verschärft):
Wer bestimmt, was thematisiert und damit diskutiert und letztlich gedacht werden darf? Wer legt die Grenzen des Debattenraums fest? Wer okkupiert die Deutungshoheit?
Ein US-amerikanisches Unternehmen, dessen KI-Tools inzwischen milliardenfach genutzt werden, legt also Richtlinien fest und bestimmt, was die KI antworten und erstellen darf und was nicht. Vom chinesischen DeepSeek rede ich erst gar nicht.
Aus den Dialogen mit diesen KI-Tools verschwinden damit allmählich (oder auch plötzlich) alle Themen, die diesen Unternehmen aus irgendeinem Grund nicht in den Kram passen oder passen dürfen. Das halte ich für extrem bedenklich.
Wenn ich eine Weltverschwörung planen würde, langfristig auf Machterhalt ausgerichtet, dann wäre ein extrem wichtiger und prioritär umzusetzender Maßnahmenkomplex die Infiltration der allgemeinen Wissensbasis und die sukzessive Übernahme der Deutungshoheit wichtiger Begriffe, Konzepte und Themen.
Dazu wieder mal Noam Chomsky:
„Der schlaueste Weg, Menschen passiv und gehorsam zu halten, ist, das Spektrum an akzeptabler Meinung streng zu beschränken, aber eine sehr lebhafte Debatte innerhalb dieses Spektrums zu ermöglichen – sogar die kritischeren und die Ansichten der Dissidenten zu fördern.
Das gibt den Menschen ein Gefühl, dass es ein freies Denken gibt, während die Voraussetzungen des Systems durch die Grenzen der Diskussion gestärkt werden.“
(Quelle)
KI liefert die idealen Tools für derlei Ansinnen.
Also, liebe Hobby-Weltverschwörer, immer schön wachsam bleiben.
Es gibt noch Werkstätten, die für die Wartung eines Elektroautos faire Preise aufrufen.
Es gibt Tage, da kann man mit Stromverbrauch Geld verdienen.
Es gibt ein Dystopierisiko im Zusammenhang (jedoch nicht ursächlich) mit Sprach-KI.
Stay tuned!